Um 7:40 Uhr war ich nach einem Frühstück mit einem Joghurt und einer halben Ananas auf der Strecke. Mein Zelt habe ich sehr sorgfältig gepackt, ich benötige es vermutlich erst im September wieder.

Ich wählte die etwas weitere, dafür aber schönere Strecke nach Thassos wo ich um 09:30 Uhr die Fähre nach Keramoti nahm.

Links meine Fähre

Die Überfahrt kostet zwar noch immer 9€, ist aber mit 30 Minuten erheblich schneller und die Fähre fährt beständig.

Ankunft in Keramoti

War die Fahrt erst etwas langweilig, wurde es dann doch wieder bergig und damit begannen Kurven. Satt.

Das liest sich doch gut!

Zuerst kamen mir auf der Bergstrecke Tieflader mit Marmorblöcken entgegen, der eine davon völlig lässig in langen Serpentinen auf meiner Seite, und machte auch nicht die geringsten Anstalten auf seine zu gehen. Ich damit links an ihm vorbei… mulmig war mir schon..

Dann tauchten auch bald die Marmorbrüche auf. 

Da werden halbe Berge weggegraben

Ganz im Norden ist ein seltsames Gebiet. Im kalten Krieg war das ein Off Limits Gebiet, Touristen durften dort nicht hin. Ethnisch ist es ungewöhnlich, ist die Bevölkerung doch muslimisch. Und so irritiert es schon etwas, wenn bei der Ortsdurchfahrt die Frauen in schwarzen Mänteln und Kopftuch gehen und die Männer so ein rundes Käppi tragen.

Muslimische Enklaven

Die Verkehrsdichte nahm zur Grenze hin zunehmend ab, ich war schlussendlich alleine unterwegs. Das Sträßchen windet sich ziemlich in die Höhe. Wald, Berge, sandige Kurven und sonst nicht viel.

Einsam

Ich hatte schon Sorge, ob der Grenzübergang überhaupt offen ist, denn wirtschaftlich ist der ganz gewiss nicht. Schwerverkehr kann eh keiner durch, irgendwo stand mal ein Schild das Fahrzeug dürfe nicht breiter sein als 1,80m, was allerdings Unsinn ist.

Kurz nach der Grenze kam dann auch schon Zlatograd. Schreibt man es nun mit Z oder S? Die Transliteration aus dem Kyrillischen wird unterschiedlich interpretiert. Im Ort: Hotel suchen, Bulgarische Leva am Automaten holen (bis ich einen fand der mich mochte!)

Nun bin ich im Hotel Zlatograd und freue mich sehr über ein Zimmer. Nachdem ich nun 2,5 Wochen nur im Zelt lebte, tut die Privatsphäre sehr gut. Ich wollte anfänglich das Zimmer gar nicht verlassen. 

Ankunft im Hotelzimmer
Hotel Zlatograd

Doch natürlich verbrachte ich den restlichen Tag mit rumwandern im Ort. Der Charm des Ostens ist dem Ort, der auch sicher kein reicher ist, noch so richtig anzumerken. Und zwar architektonisch:

Das Rathaus
Eine verlassene Basketballarena neben dem Rathaus
Das Rathaus von vorne mit dem „Marktplatz“ .

Aber man darf sich nicht täuschen lassen. Rechts vom Rathaus führt eine schöne Allee mit duftenden Linden zum alten Ortsteil.

Und schön ist halt auch die bulgarische „wir sind alle draußen“ Kultur. Überall gibt es kleine Cafés, sehr einfach zusammengenagelte Möbel, aber immer nett – und gerne auch kinderfreundlich.

Im Café
Im Café und hinter mir die Kinderschaukeln

Ich las, daß es hier einen Ethnographischen Komplex gäbe der aufgrund einer Privatinitiative entstand. Man will die alte Häusersubstanz erhalten und zeigen wie vor 100 Jahren gelebt wurde. Also… die Häuser sind da, und sehr hübsch. Aber entweder ich verstehe das Konzept nicht, oder verpasse da irgendwas. Die Häuser sind bewohnt und bewirtschaftet, eines ist ein schickes Hotel. Rein kann ich nirgends und es gibt auch keinen Eingang zu einem Museum. Und ja ich bin Mann, und haben dennoch nach dem Weg gefragt… auch Bulgaren suchten und wanderten planlos herum.

Ethnographischer Komplex
Schon hübsch!

Die Strecke:

Tagespensum 185km

Zm Schluss noch ein Wort zum Motorrad. Letztes Jahr im Herbst hatte es begonnen beim Federn zu quietschen. Das hat sich aber wieder gegeben. Auch auf Sardinien war es nur selten zu hören. Nun hat es sich aber gefestigt. Ich kann nur schwer identifizieren wo es herkommt. WD 40 hilft nicht. Ich denke das Federbein hat ein Problem. Es funktioniert zwar noch gut, aber es macht mir Kopfzerbrechen. Ob ich im Herbst einfach das Ersatzfederbein mitnehme? Im Keller hätten wir ja noch eines… mal sehen wie es sich morgen im Schotter verhält.